Wie verbessere ich meine Resilienz im Home Office?

Viele Mitarbeiter*innen arbeiten nun seit über einem Jahr im Home Office. Ein Ende ist aufgrund der bestehenden Pandemie oftmals nicht in Sicht.
Selbstverständlich hat das Home Office positive Seiten. Für viele Menschen ist es im Moment sogar die einzige Möglichkeit, den Job zu behalten und damit ihre Existenz zu sichern. Dennoch – so beweisen zahlreiche Studien – nehmen die psychischen Belastungen – insbesondere durch die Arbeit im Home Office – deutlich zu. In diesem Blog erhalten Sie daher praxisnahe Tipps, wie Sie Ihre Resilienz gerade im Hinblick auf die Arbeit zuhause stärken können.

Mitarbeiter im Home Office leiden unter vermehrtem Stress

Für die Studie „AI@Work“ im Auftrag von Oracle wurden im Juli 2020 12.347 Menschen im Alter von 22 bis 74 Jahren aus elf Ländern befragt. Zu den Befragten zählten Mitarbeiter, Vorgesetzte, HR-Experten und Vorstandsmitglieder.
Die wichtigsten Erkenntnisse dieser Studie kurz zusammengefasst: Vor allem Mitarbeiter im Homeoffice leiden unter vermehrtem Stress. Die von den Befragten genannten Stressfaktoren sind demnach Leistungsdruck, Routinearbeiten, mühselige Aufgaben und ein zu hohes Arbeitspensum. Das gilt insbesondere für Mitarbeiter, die zuhause arbeiten, während zusätzliche Haushaltsmitglieder anwesend sind – etwa Kinder, die beim Homeschooling betreut werden müssen. 41% geben an, dass es keine Trennung mehr zwischen Beruf und Privatleben gibt und in erheblichem Maße Überstunden geleistet werden. Die dadurch verursachten psychischen Probleme beeinträchtigen bei 85% der Befragten auch das Privatleben bspw. durch Schlafmangel, schlechte körperliche Gesundheit und geringere Zufriedenheit im häuslichen Umfeld. Darunter leiden auch familiäre Beziehungen und Freundschaften, Einsamkeit oder sogar Depressionen sind die Folge.
Natürlich wäre es optimal, wenn die Arbeitgeber hier gegensteuern, was in einigen Fällen auch geschieht. Aber was kann der Einzelne tun, wenn dies – aus welchen Gründen auch immer – nicht passiert?
Ein wesentlicher Faktor hierbei ist die Resilienz, die eine entscheidenden Einfluss darauf hat, gut durch diese belastende Zeit zu kommen. Worum es beim Thema „Resilienz“ grundsätzlich geht und was sich hinter den 8 Säulen der Resilienz verbirgt, können Sie in meinem Blog nachlesen.

Wie können Sie Ihre Resilienz im Home Office nun stärken?

1.) Akzeptanz & Realitätsbezug

„Es ist, wie es ist“, auch wenn das im Moment besonders schwerfällt.
Schrauben Sie den Anspruch an die eigene Leistungsfähigkeit runter. Es ist objektiv betrachtet nicht möglich, im Home Office – gerade wenn parallel noch Kinder betreut werden müssen – die gleiche Leistung zu bringen, wie in „normalen“ Zeiten. Akzeptieren Sie, dass Sie häufiger unterbrochen werden – auch wenn es in einer Webco mit Kollegen unangenehm ist, wenn ein Kind mit seiner Hausaufgabe ins Zimmer stürmt. Denken Sie immer daran, dass es vielen Kollegen*innen vermutlich auch nicht anders geht. Akzeptieren Sie, dass Sie nach 12 oder mehr Monaten im Home Office und vielleicht auch ohne einen „richtigen“ Urlaub nicht mehr so belastbar sind, wie früher. Haben Sie nicht den Anspruch, die pädagogischen Fähigkeiten der Lehrkräfte Ihrer Kinder in allen Fächern ersetzen zu können und das „neben“ Ihres eigenen Jobs. Kämpfen Sie nicht gegen diese Situationen an oder verurteilen Sie sich gar dafür, denn all das kostet zusätzlich Energie, die Sie im Moment nicht haben bzw. dringend für andere Dinge brauchen.

2.) Selbstverantwortung

Selbstverständlich ist die Empfehlung oder Vorgabe zur Arbeit im Home Office etwas, das Sie kaum ändern können. Trotzdem können Sie sich immer wieder die Frage stellen, ob es nicht doch das eine oder andere gibt, was Sie an dieser Situation ändern können?
Gibt es die Möglichkeit, durch gezielte Absprachen mit Kollegen*innen/Vorgesetzten den einen oder anderen Tag doch wieder im Büro arbeiten zu können? Können Sie das ruhige Arbeitszimmer abwechselnd mit Ihrer Partnerin/Ihrem Partner tauschen, sodass Sie klare Ruhephasen für sich beanspruchen können? Gibt es vielleicht auch die Möglichkeit, die Arbeitszeit anzupassen? Denken Sie bitte immer daran, dass Vorgesetzte häufig in der gleichen Situation sind und froh sind, wenn die Mitarbeiter proaktiv Lösungsvorschläge einbringen.
Gibt es Nachbarn oder Freunde, die in einer ähnlichen Situation sind und mit denen man sich – wenn es die aktuellen Corona-Maßnahmen zulassen – mit der Kinderbetreuung beim Homeschooling abwechseln kann, um zumindest ab und zu ungestört und konzentriert an Themen arbeiten zu können? Übernehmen Sie aktiv Verantwortung, indem Sie Probleme ansprechen und gemeinsam Lösungen finden.

3.) Lösungsorientierung & Kreativität

Bei der 3. Säule können Sie problemlos die Tipps von Säule zwei übernehmen, denn all die oben genannten Vorschläge sind kreativ und ein Versuch, Lösungen zu finden, die Sie bisher „nicht auf dem Schirm hatten“.
Darüber hinaus möchte ich Ihnen noch einige weitere Impulse geben. Gerade in der Home Office Situation ist die Trennung von Beruf und Privatleben noch wichtiger. Optimal wäre ein separater Arbeitsplatz, den Sie nach Arbeitsende verlassen und dann idealerweise auch nicht mehr sehen. Wenn das bei Ihnen räumlich nicht möglich ist, dann räumen Sie Ihre Arbeitsmaterialien auf, damit Sie auch nicht in die Versuchung kommen, abends „nochmal schnell“ den Rechner hochzufahren.
Besonders wichtig ist auch im Home Office die Pausenzeiten konsequent einzuhalten und bspw. das Mittagessen nicht neben der Arbeit am Rechner einzunehmen. Auch hier gilt, schalten Sie Ihren Rechner aus, wechseln Sie den Raum/Platz und essen Sie woanders. Vielleicht planen Sie auch noch ein paar Schritte „um den Block“ oder ein paar gymnastische Übungen ein.
Die Liste kreativer Lösungen lässt sich beliebig fortsetzen, überlegen Sie sich doch einfach, was Sie in dieser Situation alles verändern können und seien es noch so kleine Dinge!
Viel Erfolg dabei und bis zum nächsten Mal mit weiteren Tipps für eine bessere Resilienz im Home Office.

Im nächsten Teil der Reihe erwarten Sie weitere Tipps zum resilienten Umgang mit Home Office.

Autorin: Kirsten Lamprechter, Resilienz-Expertin und Coach

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