Wie verbessere ich meine Resilienz im Home Office? | Teil 2

Im 1. Teil dieses Beitrags haben Sie einen kurzen Überblick über die aktuelle Studienlage zum Thema „Einflüsse des Home Office auf das persönliche Wohlbefinden“ sowie praxisnahe Tipps erhalten, wie Sie Ihre Resilienz gerade im Hinblick auf die Arbeit im Home Office stärken können. In diesem 2. Teil setze ich diese Tipps nun fort und gebe Ihnen zum Schluss eine Zusammenfassung mit hilfreichen Praxistipps für mehr Resilienz im Home Office.

5.) Zukunftsgestaltung und Visionsentwicklung

In der momentanen Situation, erscheint es fast unmöglich, sich mit der eigenen Zukunft oder Visionen zu beschäftigen.
Trotzdem oder gerade deshalb ist es umso wichtiger, sich auch jetzt immer mal wieder die Frage nach dem Sinn des Lebens zu stellen. Denn das hilft Ihnen, den Blick in eine positive(re) Zukunft zu richten und daraus wieder Energie und Zuversicht zu schöpfen.
Planen Sie sich also in Ihrem Kalender regelmäßige Auszeiten ein (z.B. 5 Minuten pro Tag oder 15 Minuten in der Woche), wo Sie sich diese Zukunftsträume erlauben und gestärkt daraus hervorgehen. Denn wer regelmäßig inne hält und positive Zukunftsbilder entwickelt, verinnerlicht diese und wird insgesamt glücklicher und auch erfolgreicher in seinem Leben sein.
Gut wäre auch, diese Zukunftsträume mit Ritualen zu verbinden, also bspw. während des Spaziergangs in der Mittagspause oder beim morgendlichen Kaffee . Dieses Vorgehen nennt man „ankern“ und je öfters Sie das üben, desto besser wird es Ihnen gelingen, beim reinen Denken an diese Anker schon die positiven Zukunftsbilder und die damit verbundene positive Energie zu spüren.

6.) Selbstregulation und Selbstfürsorge

Diese Säule ist im Augenblick sicher eine der schwierigsten und gleichzeitig eine der wichtigsten.
Achten Sie gut auf sich! Denn nur, wenn Sie gut auf sich achten, können Sie eine Stütze für Ihre Liebsten und Ihr Umfeld sein. Gerade Frauen sind hier im Moment extrem gefordert, da sich die Belastung von Job, Kindern, Haushalt und ggf. auch weiteren Anforderungen bei ihnen „ballen“.

Deswegen ist es noch wichtiger, als in „normalen“ Zeiten, dass Sie regelmäßig und konsequent Ihren eigenen Energievorrat auffüllen.
Ich verweise auf die – im letzten Blog – genannten Aspekte der regelmäßigen Mittagspausen und der Bewegung. Aber auch das Thema Ernährung lege ich Ihnen ans Herz. Auch wenn Fertigkost aktuell – weil es oft schnell gehen muss – hoch im Kurs steht, so ist doch die ausgewogene Ernährung gerade jetzt besonders wichtig. Versuchen Sie hier einen Rhythmus zu entwickeln, indem Sie bspw. Abends das frische Müsli für den nächsten Morgen vorbereiten oder am Wochenende Frisches für die Arbeitswoche vorkochen.
Versuchen Sie auch Ihre freien Zeiten zu finden, indem Sie sich mit Ihrem/Ihrer Partner*in bei der Kinderbetreuung abwechseln, um dann die „freie“ Zeit (z.B. eine Stunde jeden 2. Abend) für sich zu nutzen. Alles ist erlaubt, Hauptsache IHR Energievorrat wird wieder aufgefüllt.
Und dann noch ein Tipp für Ihren Arbeitsplatz zuhause. Gestalten Sie ihn so schön wie möglich. Ein frischer Blumenstrauß, das Bild vom letzten Familienurlaub, Ihre Lieblingskaffeetasse oder der Blick aus dem Fenster ins Grüne. Das sind Dinge, die Sie an Ihrem normalen Arbeitsplatz vielleicht nicht ändern können, im Home Office allerdings schon.
Und auch wenn gerade jetzt das Da-Sein für andere, extrem wichtig ist, dürfen IHRE Bedürfnisse nicht permanent hinten anstehen. Denn nur wenn SIE auch hier die Chancen, die das Home Office durchaus bietet, nutzen, können Sie andere bei der Bewältigung ihrer Herausforderungen unterstützen.

7.) Beziehungen, Wertschätzung & Kooperation

Bei dieser Säule richte ich den Blick ganz bewusst auf die beruflichen Beziehungen. Alles, was uns in der Vergangenheit mit unseren Kollegen*innen verbunden hat, wurde von heute auf morgen gekappt. Das Begrüßungsritual am Morgen, zur Mittagspause (wie sehr würde man sich heute über das früher nervende „Mahlzeit“ freuen) oder am Feierabend. Die Frage nach dem Wochenende oder dem Urlaub (sei es vorher oder danach) oder der zufällige Ratsch am Kaffeeautomaten oder auf dem Weg zum Kopierer oder zur Kantine.
Erst wenn wir die Dinge nicht mehr haben, merken wir, wie sehr sie uns fehlen. Deswegen ist es wichtig, dass wir uns – idealerweise – jeden Tag Zeit einplanen, um mit dem/der ein oder anderen Kollegen*in in Kontakt zu kommen. Ein spontaner Anruf, eine nette Chat-Nachricht, ein verabredeter Kaffee.
Und auch wenn Sie – zurecht – sagen, dass das ein weiterer Termin oder ein zusätzliches To Do ist, machen Sie es trotzdem. Sie werden sehen, es tut gut, einfach mal zu ratschen, ein nettes Lächeln zu sehen oder eine schöne Geschichte zu hören. Außerdem ist es auch hilfreich zu erfahren, dass auch andere mit der Situation „kämpfen“ und vielleicht können Sie sich ja gegenseitig den einen oder anderen Tipp geben, wie Sie gut durch diese Zeit kommen. Lassen Sie sich überraschen!
Oder organisieren Sie gemeinsam mit Kollegen*innen ein abendliches Wine-Tasting, ein gemeinsame Koch-Event oder einen Spieleabend. All das bringt Abwechslung in unseren so anstrengenden Alltag und das können wir gut gebrauchen!

8.) Improvisationsvermögen & Lernbereitschaft

Auch bei dieser Säule kann man getrost feststellen, dass unser Improvisationsvermögen bisher selten so gefordert war, wie im Moment. Das bedeutet, dass wir oftmals unsere Komfortzone verlassen müssen, was mühsam ist und sehr viel Kraft kostet. Genau diese Kraft fehlt uns an anderen Stellen und führt zu der Erschöpfung, die viele von uns im Moment so deutlich spüren.
Aber wenn es uns gelingt die positiven Aspekte zu sehen, zu erkennen, wie spannend es sein kann, neue Dinge auszuprobieren und zu erleben, kann das Ganze uns auch gleichzeitig wieder Kraft und Zuversicht geben, denn wir sehen: „Ich schaffe das!“
Viele Beispiele fürs Improvisieren, habe ich in diesem Blog bereits gebracht. Hier noch die eine oder andere Ergänzung: Ich hatte bereits mehreres Webcos, in denen Kollegen*innen (häufig waren es übrigens die Männer) ihre kleinen Kinder auf dem Schoß hatten. Nach zwei bis drei Minuten des Eingewöhnens, war es überhaupt kein Problem mehr. Oder Sie wählen sich eben „nur“ telefonisch in einen Call ein, weil Ihre Internet-Verbindung mal wieder in die Knie geht oder ein Sprößling kurzfristig von der Kita abgeholt werden muss. Für alles gibt es eine Lösung und sicher war das Verständnis der Umgebung für solche außergewöhnlichen Situationen niemals so hoch, wie im Moment. Denn eines ist klar, wir sitzen alle im gleichen Boot.

Zusammenfassung

Zum Abschluss gebe ich Ihnen nochmals eine Zusammenfassung der wichtigsten Tipps für mehr Resilienz im Home Office:

  • Fahren Sie Ihren Anspruch an die eigene Leistung(sfähigkeit) herunter
  • Verändern Sie die Dauer Ihrer Arbeitszeit und trennen Sie Ihren Arbeitsplatz vom Wohnumfeld
  • Terminieren Sie klare und “ungestörte” Zeitfenster für Erholung und Fokuszeit
  • Machen Sie Ihre Pause nicht am Arbeitsplatz (Gönnen Sie sich Bewegung, gesunde Ernährung oder verbringen Sie Ihre Zeit mit der Familie)
  • Nehmen Sie Ihre Bedürfnisse bewusst wahr
  • Entwickeln Sie regelmäßig positive Zukunftsbilder
  • Nehmen Sie sich Zeit, die positiven Dinge wertzuschätzen
  • Schaffen Sie sich ein schönes Umfeld zuhause
  • Treten Sie bewusster und regelmäßiger in privaten Kontakt mit den Kollegen*innen
  • Suchen Sie immer wieder kreativ nach neuen Lösungen

Viel Erfolg bei der Umsetzung wünscht Ihnen Ihre Kirsten Lamprechter

 

Teil 1 lesen

 

Autorin: Kirsten Lamprechter, Resilienz-Expertin und Coach

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